Bericht über: Schuhmachermuseum Birkenwerder
| Schuhmachermuseum Birkenwerder | |
| Ursula Heidrich | |
| Telefon: | 0 33 03/40 23 54 |
| E-Mail: | info@orthopaedie-birkenwerder.de |







Geschichte auf den Fersen

Stand: Oktober 2026
Wer denkt, dass ein Schuster dem Schuhmacher gleichgestellt ist, wird bei einer kleinen Zeitreise in Birkenwerder schnell eines Besseren belehrt.
Hier entführt die 1996 nach Birkenwerder gezogene Ursula Heidrich regelmäßig in ihr Reich der Schuhgeschichte. Anlass für die Gründung des kleinen Museums war die 650-Jahr-Feier von Birkenwerder. „Das Jubiläum 2005 ist etwas ganz Großes gewesen. Es hat nicht nur einen Meilenstein markiert, sondern vieles vorangebracht und neue Impulse in der Gemeinde gesetzt. Jeder wollte mitwirken. Viele Vereine haben in der Zeit Projekte sowie Vorhaben ins Leben gerufen und realisiert. Ich selbst beschäftige mich gerne mit Geschichte und den Hintergründen. Ich heiratete damals quasi nach Birkenwerder ein. Mein Mann führt den Orthopädie-Betrieb seines Vaters weiter, der 1958 gegründet wurde. Geschichte war also reichlich vorhanden. Zudem hat sich über die Jahrzehnte ein ganz interessantes Sammelsurium an Werkzeugen, Geräten und Utensilien gebildet. Damals arbeitete ich noch als Buchhalterin in Berlin. Doch schon zu der Zeit war die Bahn nicht ganz so zuverlässig. Mit eigenen Kindern wurde die Fahrt in die Hauptstadt immer komplexer. So ließ ich mich einige Zeit später in den Betrieb meines Mannes einarbeiten“, erzählt Ursula Heidrich, wie sie auf den Schuh kam.
Neue Bewegung
„Wie viele andere haben auch wir für das Jubiläum eine ganze Menge Geschichtliches zusammengetragen. Mit der langen Tradition, dem vielen Wissen und den historischen Exponaten wäre es schade gewesen, dies nicht der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Am Ende ist für die 650-Jahr-Feier derart viel zusammengekommen, dass sich daraus eine dauerhafte Ausstellung etabliert hat“, berichtet sie, wie sie sich diesen Schuh selbst angezogen hatte.
Ein leerer Raum im Hinterhof des Betriebs wurde dafür zum Museum umfunktioniert. Um das traditionelle Schuhmacher-Handwerk richtig darzustellen, wurde dort alles übersichtlich präsentiert und mit Infotafeln versehen.
„Sämtliche Maschinen waren einst im Einsatz. Die meisten funktionieren noch heute tadellos. Ein paar sind etwas eingerostet, aber was nicht läuft, wird mit der Zeit noch gangbar gemacht“, erläutert sie.
Langfinger am Werk
„Anfangs durften die Leute noch ohne Begleitung rein. Leider hat sich so das eine oder andere Stück unbemerkt auf die Socken gemacht“, bedauert sie etwas.
Voll in ihrem Metier, erklärt sie Interessierten, wie Schuhe früher gefertigt wurden und wie sich die Herstellung bis heute entwickelt hat. Dabei darf auch gern mal an der einen oder anderen Kurbel gedreht werden. „Am schönsten ist es immer mit Kita- und Schulgruppen. Die freuen sich sehr und sind so wissbegierig. Man kann hier staunen, erleben, fühlen und anfassen. Viele Kinder sind kurioserweise der Meinung, dass Leder pflanzlich ist. Ich kläre das gerne mit einem kleinen Rätsel auf. Einmal hatte ich eine Veganerin in der Gruppe. Aus dem Fettnäpfchen bin ich dann nicht mehr so leicht rausgekommen“, erinnert sie sich.
Schuhspitze in die Höhe
Der Schuh durchlief eine lange Geschichte. „Schon die Steinzeitmenschen, wie der berühmte ‚Ötzi‘, der vor knapp 5 300 Jahren lebte, nutzten Felle und Fäden, um ihre Füße zu schützen, und die Römer setzten auf eine Art Sandale. Sehr beliebt während des Mittelalters, gerade bei der ärmeren Bevölkerung, war der ‚Bundschuh‘, ein Schuh aus einem Stück Leder, das mit einem einzigen Faden zugeknotet wurde. Zur 650-Jahr-Feier von Birkenwerder trug ich ebenfalls solches Laufwerk, mein Fazit ist allerdings ernüchternd. Es zieht, drückt und man kann durch das dünne Leder jedes Korn auf dem Boden spüren. Die reichen und vornehmen Leute wiederum trugen im Mittelalter sogenannte ‚Schnabelschuhe‘, wobei die Form der Schuhspitze an einen Schnabel erinnerte. Zur damaligen Zeit war es noch üblich, die Schuhe so herzustellen, dass man sie sowohl links als auch rechts tragen konnte, da gab es keinen Unterschied. Erst 1748 entwickelte der holländische Anatom Petrus Camper asymmetrisches Schuhwerk, das jeweils für den rechten und den linken Fuß anatomisch geformt war, und setzte sich für dessen Verbreitung ein“, gibt Ursula Heidrich Einblick in ihr Lieblingsthema.
Schuhe als Statussymbol
Schuhe waren schon immer ein Statussymbol. So hielt sich früher die Regel: Je länger das Schuhwerk, desto höher das Ansehen. „Dabei war die Farbe Rot lange den Königen und dem Papst vorbehalten. Einzig Papst Franziskus durchbrach dieses ungeschriebene Gesetz und trug häufig schwarze Schuhe. Nach Ende der Französischen Revolution ging mit dem Adel ebenso der extravagante Schuh zurück. So waren fortan schmucklose Treter mit niedrigen Absätzen und dem Fokus auf das Praktische in Mode“, führt sie die Entwicklung weiter aus.
Wer noch mehr solche spannenden Fakten erfahren möchte, sollte die Beine in die Hand nehmen und kann das „Schuhmachermuseum“ von Ursula Heidrich in der Hauptstraße 44 in Birkenwerder jeden Mittwoch zwischen 9 Uhr und 17 Uhr, oder nach vorheriger Vereinbarung auch an anderen Tagen, besuchen.