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Bericht über: Kameramann

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Kameramann
Michael Schmidt
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Wo Knete lebendig wird

Stand: Oktober 2026

Mittlerweile gilt der Film als Massenmedium. Während es heute etliche digitale Helferlein gibt, war es zu DDR-Zeiten ein hartes Stück Arbeit, bis so ein Projekt auf die Leinwand oder in den Fernseher kam.

Damals waren es Kameraleute wie Michael Schmidt, die dafür sorgten, dass das Bild scharf war und jede Szene ins rechte Licht gerückt wurde. Mit der Gründung vom „Studio Babelsberg“ 1912 in Potsdam wurde in der Region ein bedeutender Grundstein der Filmgeschichte gelegt, nach dessen Vorbild später sogar das amerikanische Pendant „Hollywood“ entstanden sein soll.

Früh den Finger am Auslöser
1951 geboren und in Hohen Neuendorf aufgewachsen, zog es Michael Schmidt nach seinem Studium an der Filmhochschule in Potsdam-Babelsberg gleich zum „Fernsehen der DDR“ nach Berlin-Adlershof.
„Mich faszinierte schon immer das Filmen. Ein Projektor bei meinen Großeltern war sicher nicht ganz unbeteiligt daran. Mit neun oder zehn Jahren fing ich an, mit einer selbst gebastelten Kamera-Attrappe zu ‚drehen‘“, denkt er an seine Anfänge zurück.
Beim „Fernsehen der DDR“ war er in der Sparte Unterhaltung als Kameramann tätig. Er übertrug sogenannte „Ernste Musik“ aus Opernhäusern oder stand bei Fußballspielen hinter der Linse. „Schon damals ging es auf dem Rasen und der Tribüne wild zu. Einmal wurde ich von einer Flasche getroffen. Ein anderes Mal flog mir ein Ball direkt in die Kamera. Das war ein ziemlicher Schreck“, weiß er noch heute. „Ruhigere Drehs gab es natürlich ebenso, etwa für den Sandmann, wo ich eine Zeit lang in der Abteilung ‚Flachfigurentrick‘ tätig war. Das war manchmal so ermüdend, dass ich fast hinter der Kamera eingeschlafen wäre“, beschreibt er die Wirkung des kleinen Mannes auf ihn.

Fette Knete in der DDR
„Als jemand für die Knetfiguren-Kindersendung ‚Hoppla‘ gesucht wurde, ergriff ich die Chance und war fortan für verschiedene Knetfiguren-Filmreihen zuständig“, berichtet er. Dabei machte bei ihm die Mischung das Ergebnis. Lange experimentierte er mit verschiedenen Knetesorten, sogar aus dem Westen und der damaligen Sowjetunion. „Bei den Knete-Trickfilmen war ich für alles verantwortlich, also Geschichte, Texte und Umsetzung. Ich arbeitete meist am Abend bis in die Nacht hinein. Da war ich ungestört. Ich wollte immer möglichst an einem Stück drehen, sodass am Ende kaum Schnitte nötig waren. Das vereinfachte das Ganze etwas“, erläutert er.
„Immer, wenn Führungen in den Hallen stattfanden, wurde ich scherzhaft als der ‚Mann mit der bunten Knete‘ vorgestellt, wie wir ja damals auch das Westgeld bezeichneten“, schmunzelt Michael Schmidt.
Für seine Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit der „Silbernen Lorbeere“ des „Fernsehen der DDR“ einschließlich 1 000 Mark. 1984 bekam er auf dem Kinderfilmfestival „Goldener Spatz“ in Erfurt eine Auszeichnung für drei seiner Knetfilme.
Ebenso außerhalb des Studios waren seine Fähigkeiten gefragt: Für die Eröffnung des Leipziger Hauptbahnhofs durfte er eine Knetfigur des Musikers Achim Mentzel beisteuern. „Die wurde erst kurz vor knapp fertig, aber ich hatte es zum Glück noch rechtzeitig geschafft“, war er erleichtert.

Stars und Sternchen im Blick
Nach der Wende bekam Michael Schmidt im Zuge der Arbeitsbeschaffungsmaßnahme eine Stelle im „FEZ“ in Berlin. Dabei lernten die Kinder die Entstehung von Knetfilmen kennen.
Später stand er für verschiedene Produktionen, wie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“, hinter der Kamera. „Dabei erhielt ich in der Regel Verträge auf Zeit von drei bis vier Wochen. Während meiner Karriere habe ich so einiges vor die Linse bekommen und eine Menge interessanter Leute getroffen“, blickt er zurück. „Gerhard Schröder war Komparse bei ‚GZSZ‘. Weiterhin hatte ich mit Christian Lindner, Horst Buchholz, Brad Pitt, Gregor Gysi, Ulli Wegner, Boris Jelzin und vielen weiteren die Ehre. Etwas ganz Besonderes war die Begegnung mit Michail Gorbatschow, den ich einen ganzen Tag lang in Leipzig begleitet und gefilmt hatte. Im Plausch mit Dolly Buster durfte ich feststellen, dass sie sehr sympathisch ist und durchaus was im Köpfchen hat“, erzählt Michael Schmidt.

Stark vor Ort
Der Ur-Hohen-Neuendorfer war zuletzt beim Sender „Oberhavel TV“ für kleine Reportagen und Lokalberichte von ein paar Minuten Länge tätig. Ebenso betreute er eine Film-AG in Birkenwerder an der Regine-Hildebrandt-Gesamtschule.
„Jetzt im Ruhestand schneide ich das ganze Material aus meiner Jugend und späteren Zeit zu Dokumentationen zusammen. Dadurch entstehen ganz interessante Einblicke aus Hohen Neuendorf und der Umgebung. Gerne führe ich diese Interessierten vor, wie ich es schon beim ‚Fontane-Klub‘ in Brandenburg an der Havel mit ‚Filmrolle Ost – Klappe die erste‘ und ‚Filmrolle Ost – Klappe die zweite‘ getan habe“, bietet er an und fügt hinzu: „Heute bin ich nach wie vor, allerdings nur hobbymäßig, mit der Kamera unterwegs, um die vielen Dinge des Alltags einzufangen und auf die ‚Rolle‘ zu packen.“

Erstellt: 2026