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Bericht über: Imkerverein Hohen Neuendorf und Umgebung e.V.

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Imkerverein Hohen Neuendorf und Umgebung e.V.
Beide Tafesse
Telefon:01 51/22 90 42 65
E-Mail:presse@hohenneuendorfimker.de
Website:www.hohenneuendorfimker.de
Foto von Beide Tafesse, Imkerverein Hohen Neuendorf und Umgebung e.V., BirkenwerderFoto von Beide Tafesse, Imkerverein Hohen Neuendorf und Umgebung e.V., BirkenwerderFoto von Beide Tafesse, Imkerverein Hohen Neuendorf und Umgebung e.V., BirkenwerderFoto von Beide Tafesse, Imkerverein Hohen Neuendorf und Umgebung e.V., BirkenwerderFoto von Beide Tafesse, Imkerverein Hohen Neuendorf und Umgebung e.V., BirkenwerderFoto von Beide Tafesse, Imkerverein Hohen Neuendorf und Umgebung e.V., BirkenwerderFoto von Beide Tafesse, Imkerverein Hohen Neuendorf und Umgebung e.V., Birkenwerder

Imkern will gelernt sein

Stand: Oktober 2026

Seit 2019 ist es nun schon offiziell: Hohen Neuendorf trägt den Zusatz „Bienenstadt“.

Damit das zukünftig auch so bleibt, steuert unter anderem der örtliche Imkerverein viel bei. Zu den Köpfen hinter dem „Imkerverein Hohen Neuendorf und Umgebung e.V.“ gehören der Vorsitzende Beide Tafesse, sein Stellvertreter Dr. Horst Friedrich sowie viele weitere fleißige „Arbeiter“. Der Verein wurde 1948 gegründet und hat derzeit um die 100 Mitglieder, womit er zu den mitgliederstärksten Vereinen seiner Art in Brandenburg zählt. „Die Tradition des Imkerns geht hier in der Stadt weit über 100 Jahre zurück und das 1952 gegründete ‚Länderinstitut für Bienenkunde Hohen Neuendorf‘ markierte einen wichtigen Meilenstein in der Geschichte“, weiß Beide Tafesse.
Einer der Schwerpunkte der Hohen Neuendorfer Imker liegt auf der Jugendförderung sowie dem fachgerechten Umgang mit Bienen. Dafür unterhält der Verein einen Lehrbienenstand am alten Grenzturm in Bergfelde.
„Gerade im Berliner Raum beobachten wir den Trend, dass viele das Imkern als Hobby für sich entdecken, leider aber zu wenige Kenntnisse besitzen. Wissen wird aus dem Internet nach Bedarf angeeignet. Eine richtige Basis fehlt allerdings“, hat der 77-jährige Vorsitzende, der selbst in der Gemeinde Glienicke wohnt, festgestellt.

Bär als Honigdieb?
Deshalb hat es sich der Verein zur Aufgabe gemacht, Wissen dazu sachkundig zu vermitteln. Dabei kommen sanfte Bienenarten zum Einsatz. Angehende Imker oder Menschen, die sich vorstellen könnten, mal einen eigenen Bienenstand zu betreiben, bekommen hier die Möglichkeit, bei einer Art Praktikum ein ganzes Bienenjahr lang mitzuwirken. „So erhält man reale Einblicke in das Treiben eines Imkers, lernt die Schritte, Aufgaben sowie die Gefahren kennen“, berichtet der 69-jährige Jörn Lehmann, der neben der Öffentlichkeitsarbeit zusätzlich als Bienensachverständiger in Erscheinung tritt.
„Die Europäische Biene hatte ursprünglich nur zwei wirkliche Feinde: den Braunbären und Waldbrände. Die daraus entwickelten Instinkte kann man heute noch beobachten und wir Imker nutzen diese teilweise für unsere Arbeit. So füllen die Bienen bei einem Brand, den wir mit Rauch simulieren, den Magen mit Honig und werden dadurch ruhiger. Dieser Vorrat reicht dann in der Regel für drei Tage. Zudem übertüncht der Rauch die Duftstoffe, wodurch kurz eine Orientierungslosigkeit herrscht. Das erlaubt uns, die Bienenbeute zu öffnen, ohne allzu große Aufruhr darin zu verursachen“, erläutert Jörn Lehmann.

Neue Probleme
„Heute ist weniger der große Braunbär eine Gefahr für die heimischen Honigsammler als eher kleine eingeschleppte Parasiten wie die Varroamilbe. Die aus Asien stammende Milbe gibt es seit etwa 1974 in Deutschland. Ganze Völker kann sie in einem Winter ausrotten. Verkrüppelte Bienen sind klare Anzeichen. Bekämpft wird der Schädling unter anderem mit Oxalsäure. Nach jeder Behandlung wird gezählt, wie viele tote Milben auf einer speziellen Sammelplatte, der sogenannten Windel, liegen, um den Befall einschätzen zu können“, erklärt Jörn Lehmann. Ein weiterer und ebenso aus der fernöstlichen Region kommender Schädling ist die Asiatische Hornisse. Diese vermehrt sich rasant und geht sehr aggressiv vor. „Für den Imker gibt es hier kaum Spielraum, einzugreifen, denn diese Insekten stehen bei keinem Vogel so wirklich auf der Speisekarte“, beschreibt Jörn Lehmann.

Wissenschaft vorantreiben
Eine enge Zusammenarbeit pflegt der Verein mit der „Arbeitsgemeinschaft Toleranzzucht“ aus Kirchhain. Ziel ist es, Bienen zu züchten, die sich instinktiv gegen die Varroamilbe wehren können. „Wir hatten schon drei Edelköniginnen im direkten Vergleich mit drei ‚normalen‘. Der Unterschied ist da schon groß“, ist Dr. Horst Friedrich von dem Fortschritt begeistert.
„Dabei versuchen wir jedoch nicht, die Biene selber zu verändern, sondern ihre natürlichen Eigenschaften zu stärken. So gibt es welche, die sich von der Varroamilbe ‚sauber putzen‘ oder die von der Milbe befallene Brut-Wabenzellen erschnüffeln können, diese öffnen und reinigen“, führt er weiter aus.
Seit einiger Zeit hat der Verein zudem unter zwei Bienenbeuten jeweils eine Waage. „Damit messen wir permanent das Gewicht, was Rückschlüsse auf die Aktivitäten und die Entwicklung im Stock zulässt“, geben sie Einblick in ein weiteres Experiment.

Stechende Fragen
„Uns ist es ein Anliegen, die Menschen über Bienen, Wespen und Hornissen aufzuklären. Unterstützt werden wir dabei von geschulten Wespenberatern, die uns bei Infoständen begleiten und den Interessierten wertvolle Tipps geben“, so Beide Tafesse.
Der Verein steht mit seinem umfangreichen Fachwissen und den praktischen Erfahrungen bei sämtlichen Fragen rund um diese Insekten zur Seite und deckt ebenso Mythen auf. „Speziell, was die Themen Honig- und Wildbiene angeht, gibt es unterschiedliche Meinungen. Manche behaupten sogar, dass die Honigbiene ihren kleineren Verwandten das Futter wegessen würde. Hier schaffen wir Klarheit und rücken die Dinge ins rechte Licht“, betonen die Experten.

Summende Klassenzimmer?
Neben vereinsinternen Infoveranstaltungen kooperieren die Imker mit Bildungseinrichtungen wie der örtlichen „Dr. Hugo Rosenthal Oberschule“. Dabei sind Vorträge in den Klassen Bestandteil ihrer Aufklärungsarbeit. Mit manchen Schulen gibt es Imker-AGs, in denen etwa handwerkliche Grundkenntnisse, wie das Bauen von Rähmchen, vermittelt werden. „Es gibt aber auch Schulen, die sich voll und ganz aufs Imkern eingestellt haben, mit eigenen Bienenstöcken und allem, was dazugehört“, freut sich Dr. Horst Friedrich und fügt an: „Mitglieder der Imker-AGs haben nach erfolgreichem Bestehen des ‚Imkerführerscheins‘ die Möglichkeit, ein eigenes Bienenvolk mit nach Hause zu nehmen. Alternativ kann man es beim Lehrbienenstand oder auf der Streuobstwiese des Vereins aufstellen.“

Jugend im Blick
Die Nachwuchsförderung endet jedoch nicht bei der Zusammenarbeit mit Schulen, sondern ist ebenso innerhalb des Vereins ein großes Thema. „Wir sind da gut aufgestellt. So waren unsere Schützlinge beim Bundeswettbewerb der Jungimker 2026 und haben sich dort sehr gut geschlagen“, ist Beide Tafesse stolz.
Um den Einstieg in dieses Hobby zu erleichtern, hat der Verein eine Streuobstwiese von der Stadt gepachtet. „Zudem wird man als Mitglied über den Verein mitversichert. Diese greift bei Verlust oder Sachbeschädigung der Bienenstöcke. Doch durch nichts zu ersetzen ist bei uns der Kontakt mit echten Bienen-Enthusiasten mit Erfahrungen, die man so in keinem Lehrbuch findet. Wer jetzt also quasi ‚Honig geleckt‘ hat, darf sich gerne melden“, lädt der Vorsitzende ein.

Erstellt: 2026